Nach dem 3:0 gegen Luxemburg reicht dem Schweizer Nationalteam ein Remis gegen Israel
Das WM-Ticket liegt bereit.
VON FRANÇOIS SCHMID-BECHTEL
Wird die Schweiz zum Stammgast auf der grossen Bühne? Vieles deutet darauf hin. Nach der EM 2004, der WM 2006 und der EM 2008 befindet sich unsere Nationalmannschaft auf dem Landeanflug Richtung Johannesburg. Eine Konstanz, die in Europa kein anderes Land von einer vergleichbaren Grösse in diesem Jahrzehnt vorweisen kann.
Dabei waren die Vorzeichen nach der verkorksten Heim-EM schlecht. Resignation statt Aufbruchstimmung machte sich breit. Doch dem Schweizer Verband ist mit der Verpflichtung von Trainer Ottmar Hitzfeld ein Glücksgriff gelungen. Er hat den Katzenjammer in kürzester Zeit vertrieben. Er hat der Wohlfühl-Oase den Garaus gemacht. Klar, der Start mit Hitzfeld war äusserst holprig und es brauchte seine Zeit, ehe die Spieler den pragmatischen Stil ihres Trainers umsetzten.
Da gab es dieses debakulöse 1:2 gegen Luxemburg, eine Schmach, schlimmer noch als das 0:1 in Aserbaidschan. Aber seither hat die Nationalmannschaft zehn Partien in Folge nicht mehr verloren. Sie hat zwar selten brilliert. Dafür stimmen die Resultate. Schliesslich der wichtigste Faktor. Keiner hat das dermassen verinnerlicht wie Hitzfeld.
Der Glanz ist sekundär. Das hat Hitzfeld im Stahlbad Bundesliga erfahren, wo alles über die Ergebnisse definiert wird. Wo es keinen Schönheitswettbewerb zu gewinnen, aber viel zu verlieren gibt. Notabene in einem Umfeld, in dem jeder austauschbar ist.
Hitzfeld selbst ist ja auch kein Blender. Aber ein akribischer Arbeiter. Er ist ein Ehrgeizling, ohne überzogene Ziele zu setzen. Er ist kommunikativ, ohne sich anzubiedern. Er ist eine Führungspersönlichkeit, ohne mit der Peitsche zu knallen. Er ist sich bewusst, dass seine Mannschaft im spielerischen Bereich noch Luft nach oben hat. Aber er arbeitet «step by step». Denn erst muss die Pflicht erfüllt sein.
Daran gibt es eigentlich nicht mehr allzu viel zu zweifeln. Denn diese Mannschaft ist bisher mit der Aufgabe gewachsen. Sie hat mit grossem Einsatz statt mit Alibis oder gegenseitigen Schuldzuweisungen reagiert, als Häme und Spott über sie hereingebrochen ist. Und sie hat gelernt, sich resultatorientiert zu verhalten. Auf und neben dem Platz. Kurz: Diese Mannschaft ist reif für die WM 2008 in Südafrika.
Das hat sie auch gestern bewiesen. Das 3:0 gegen Luxemburg war zwar kein grosses Spiel der Schweizer, aber ein weiterer, wichtiger Schritt Richtung Südafrika. «Mit diesem 3:0 haben wir die Pflicht erfüllt und die angestrebten drei Punkte geholt», sagte Trainer Ottmar Hitzfeld. «Es war ein relativ klarer Erfolg.
Nun haben wir am Mittwoch die grosse Chance, uns mit einem Punkt für die WM zu qualifizieren.» Die Schweiz begann so, wie man gegen einen Kleinen in der grossen Fussballwelt antreten muss. Konzentriert, abgeklärt, kaltblütig. Nach drei Standardsituationen, zwei Kopfballtreffern von Philippe Senderos und einem von Benjamin Huggel war das Spiel schon nach 22 Minuten entschieden. Den Rest hätte man sich schenken können.
Oder wie es Hitzfeld ausdrückte: «Mit jedem Treffer wurde die Erleichterung grösser. Aber ich habe mich auch darüber geärgert, dass wir in der zweiten Halbzeit so viele Chancen ausgelassen haben. Luxemburg hat sich auch tapfer gewehrt. Die waren aggressiv und laufstark. Die nimmt man nicht nur mit spielerischen Mitteln auseinander. Das ist ein unangenehmer Gegner, den man erst mal 3:0 schlagen muss.»
Weniger auskunftsfreudig war Alex Frei. Kurz vor dem Spiel spürte er grippeähnliche Symptome. Doch der Captain biss sich bis zur 65. Minute durch und bereitete das 1:0 von Senderos und das 3:0 von Huggel vor. «Nein, heute nicht», sagte Alex Frei nach dem Spiel und winkte ab. «Sonst liegt ihr alle flach.» Weniger ansteckend war indes der Auftritt der Schweizer. Senderos erzielte zwar zwei Tore, aber offenbarte auch grosse Defizite in der Ballbehandlung.
Ob er am Mittwoch gegen Israel auflaufen wird, ist deshalb fraglich. Denn mit dem in Luxemburg gesperrten Stéphane Grichting kehrt jener Spieler zurück, der sich unter Hitzfeld zum Abwehrpatron hochgeschuftet hat. Steve von Bergen, der dritte Kandidat für einen der beiden Plätze in der Innenverteidigung hat in Luxemburg zwar auch nicht restlos überzeugt, aber im Gegensatz zu Senderos kann er Spielpraxis vorweisen.
Foto: Daniela Frutiger - EQ Images Hitzfeld sagt, man könne davon ausgehen, dass es am Mittwoch einige Änderungen in der Startformation gebe. «Aber Probleme mit einer grossen Auswahl an einsetzbaren Spielern habe ich gerne.» Ein weiterer Wackelkandidat ist Johan Vonlanthen, der zu wenige Impulse setzte. Und natürlich Alex Frei, sollte er ernsthaft krank sein.