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SHOPPING STATT SCHALTERHALLEN
Schalter am Bahnhof Bern: Umbau schon 2011. Foto: François Gribi
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Die SBB besitzen mit ihren neun Einkaufszentren an Bahnhöfen wahre Ertragsperlen. Die beste Kuh im Stall, das Railcity Bern, wird 2011 für 7 Millionen Franken umgebaut – und generiert danach höhere Mieteinnahmen.

VON YVES DEMUTH

Kaum eingeweiht, schon wird der Berner Bahnhof wieder umgebaut. Auf Sommer 2011 wollen die SBB dort erstmals ihr neues Verkaufskonzept baulich umsetzen: Statt bisher fünf Verkaufspunkte wird es nur noch einen einzigen geben. Das SBB-Reisebüro sowie die Geldwechsel-, Gepäck- und Eventticketschalter werden aufgelöst und in eine neue doppelstöckige Verkaufsanlage integriert. Der untere Stock wird dabei in eine grosszügige «betreute Selbstbedienungszone» umgewandelt.

Den Umbau lassen sich die SBB sieben Millionen Franken kosten, wie Sprecher Reto Kormann gegenüber dem «Sonntag» bestätigt. Eine Investition, welche die Bundesbahnen schnell amortisieren werden. Denn mit den neuartigen Selbstbedienungszonen benötigen die SBB selbst weniger Raum und können deswegen mehr Fläche vermieten. Da im Bahnhof Bern der höchste Quadratmeterumsatz aller Schweizer Einkaufszentren erwirtschaftet wird, werden die umsatzabhängigen Mieteinnahmen der SBB deutlich ansteigen.

SBB-Chef Andreas Meyer sagt dazu: «Der Immobilienbereich ist neben dem Fernverkehr der einzige Bereich, der einen wesentlichen Beitrag zum Unternehmensergebnis der SBB leistet.» Die Immobiliendivision ist die Cash-Cow der SBB und leistet Ausgleichszahlungen an die Infrastruktur und zur Sanierung der Pensionskasse. Der wichtigste Ertragspfeiler der Division sind die Railcitys, in denen 2009 für 1,091 Milliarden Franken eingekauft wurde.

Laut Andreas Meyer erfolgt die Zusammenlegung der SBB-Verkaufspunkte im Berner Bahnhof aber nicht aufgrund von Flächenüberlegungen. «Das zentrale Ziel des neuen SBB-Verkaufskonzepts ist die effizientere Bedienung unserer Kundschaft. Wenn mit dem neuen Modell weniger Verkaufsfläche benötigt wird, ist dies zwar ein willkommener Nebeneffekt, aber nicht das primäre Ziel», sagt Meyer gegenüber dem «Sonntag».

Das neue Konzept richte sich auf die Bedürfnisse der Kunden aus, die immer weniger Billette an den Schaltern lösten. Die Kunden würden so effizienter und bedürfnisgerechter bedient, so der SBB-Chef. Nach wie vor werden heute aber 35 Prozent aller Billette am Schalter gelöst – weshalb die SBB dem eigenen Konzept auch noch nicht ganz zu trauen scheinen. Denn die Bundesbahnen ermitteln derzeit mittels Befragungen, wie die Kunden auf die versuchsweise eingeführten «betreuten Selbstbedienungszonen» in Basel, Zug, Biel und Genf Flughafen reagieren. Sind die Erfahrungen positiv, werden die SBB prüfen, ob an diesen Bahnhöfen mit baulichen Massnahmen die eigenen Verkaufsflächen ebenfalls reduziert werden können.

Arbeitsplätze sollen mit den Selbstbedienungszonen zwar keine abgebaut werden, betonen die SBB. Die Eisenbahnergewerkschaft SEV ist trotzdem skeptisch: «Mit dem neuen Konzept ist die Gefahr eines schleichenden Stellenabbaus beim Schalterpersonal gross», sagt der zuständige SEV-Sekretär Jürg Hurni. «Die Strategie der SBB ist es, den Kundenservice kontinuierlich zu reduzieren.» Laufend würden Schalter geschlossen, Öffnungszeiten reduziert oder der Billettverkauf an Dritte mit geringem Bahnwissen abgegeben – wie etwa an Migrolino-Angestellte. «Die SBB ziehen sich servicemässig zurück. Das ist eine bedenkliche Tendenz», warnt Hurni.

Das Verkaufsnetz haben die SBB in den letzten fünf Jahren tatsächlich stark ausgedünnt. So wurden die Schalter von 52 bedienten Bahnhöfen geschlossen oder an Dritte ausgelagert. Zudem verkürzten die SBB in den letzten zwei Jahren die Schalter-Öffnungszeiten an rund 20 Bahnhöfen – etwa am Hauptbahnhof Zürich.

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Samstag, 04. September 2010 23:00
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